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Der schwarze Holunder präsentiert sich im Frühjahr weiß:
dann kommen die Trugdolden, die "Hollerblüten". Im September
jedoch trägt er die tiefschwarzen Beeren mit ihrem blutroten Saft. Schwarzweiß
sind auch die Geschichten, die sich um den Holunder ranken. Der Frau Holle
soll er geweiht sein, gute Hausgeister sollen in ihm wohnen. Es könnten
aber auch Hexen sein, nahm man in manchen Gegenden an. Zumindest hatten Hexen
einen Holunderbaum in ihrem Garten stehen.
"Fliedertee" nannte man früher den Tee aus Holunderblüten
(obwohl er mit Flieder nichts zu tun hat); er ließ einen schwitzen.
Der Saft mit seinen vielen Vitaminen - manche wurden erst jüngst entdeckt
- hilft bei Erkältungen. Holunderkonfitüre oder Holunderlikör
- acht Tage in Branntwein eingelegte gedörrte Beeren mit Zucker - sind
hier und dort bekannt. Es ist eine ungemein vielseitige Pflanze; da die Volksmedizin
fast jeden Teil des Baumes nutzte - auch Rinde, Wurzel und Blätter -,
wurde der Holunder eine zeitlang als "lebende Hausapotheke des deutschen
Bauern" bezeichnet. Viele Lieder und Volksbräuche haben ihn zum
Thema. Den Saft der Beeren benutzte man, um Leinentücher schwarz zu färben.
Den gleichen Dienst tat er den Frauen, die ihr Haar nachschwärzen wollten;
manche tun das noch heute. Im übrigen aber begnügt man sich in der
Pflanzenkosmetik mit den Blüten. Deren Gerbstoffe, Öle und Schleimstoffe
reinigen die Haut; dazu nimmt man ein Gesichtsdampfbad. Wenn Sie im Mai viel
spazieren gehen, haben Sie einen angemessenen Vorrat an Holunderblüten,
die sich ja trocknen lassen. Wenn nicht, bekommen Sie die Blüten auch
in der Apotheke. Sie werfen eine gute Handvoll in kochendes Wasser, halten
Ihr Gesicht darüber und bedecken alles mit einem großen Handtuch.
Für ein Gesichtswasser übergießen Sie ein halbes Kilo (selbst
sammeln lohnt sich also!) mit kochendem Wasser und decken den Topf ab. Nach
24 Stunden können Sie durch einen Kaffeefilter abseihen und den Saft
einer Zitrone dazugeben. Damit wird das Gesicht täglich sanft betupft.
Die heilige Hildegard von Bingen benutzte den kleinen Bruder des schwarzen
Holunder, den Zwergholunder oder Attich, folgendermaßen: "Wenn
der Mensch an den Fingern oder an den Füßen den Grind hat, dann
binde er oft Zwergholunderbeeren auf jene Nägel, damit sie gereinigt
werden oder abfallen und so schönere nachwachsen."
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Holunder und Attich in der Naturmedizin