![]()
Früher waren Wiesen und Weiden im zeitigen Frühjahr voll von den
dottergelben Schlüsselblumen. Doch wie viele andere "Unkräuter"
verschwinden sie mehr und mehr. An Waldrändern findet man sie noch manchmal
grüppchenweise und sammelt sie von Ende März bis in den Mai. Die
Wurzeln lassen Sie aber bitte im Boden! Die Elfen und Nixen, die darauf achtgeben,
wie uns die nordischen Sagen erzählen, wären böse. Außerdem
steht die Schlüsselblume unter Naturschutz.
Schlüsselblumen-Tee aus einer Handvoll frischer Blüten, übergossen
mit heißem Wasser, in dem sie zwanzig Minuten ziehen mußten, war
nach Kräuterpfarrer Johann Künzle "jedermann bekömmlich,
dem Kind und dem Greis, in kranken und gesunden Tagen."
Die mit Menschen und Kräutern vertraute Äbtissin Hildegard von Bingen
empfahl die Schlüsselblume bei Melancholie und seelischen Verkrampfungen.
Bei epileptischen Anfällen wurde der Tee ebenso verordnet wie bei Schlaflosigkeit
und chronischer Migräne.
Aber auch die kosmetische Anwendung wurde schon früh ausprobiert. Im
18. Jahrhundert wurde folgendes niedergeschricben: "Etliche Weiber nehmen
Schlüssel-Bluhmen und Weiß-Wurtz, beitzen sie in weißem Weine,
alsdann destillieren sie es. Mit solchem Wasser waschen Sie das Angesicht,
in Hoffnung, es werde alle Flecken, Masen und Sprenkel des Antlitzes vertreiben."
Sehr überzeugt klingt das zwar nicht, aber es ist etwas dran. Sie müssen
kein chemisches Labor aufbauen, um das selbst festzustellen. Gegen unreine
Haut nehmen Sie eine Handvoll Schlüsselblumen und übergießen
sie mit kochendem Wasser. Sie lassen abkühlen und seihen ab. Mit der
Flüssigkeit tränken Sie ein Tuch und legen es auf Ihr Gesicht. Oder
Sie legen einen Strumpf, der mit drei Handvoll Schlüsselblumen gefüllt
ist, in die Badewanne und lassen heißes Wasser drüberlaufen. Das
hilft Ihrer Haut. Sie wird sauber und kann besser atmen. Alle ,"Flecken,
Masen und Sprenkel" wird das Bad freilich nicht vertreiben.
Schlüsselblume in der Naturmedizin