Der
Thymian ist schon seit dem Altertum bekannt. Die Ägypter benutzten ihn
zum Einbalsamieren ihrer Toten, da die Pflanze antibakteriell wirkt und Fäulnis
verhindert. Damals hieß das Kraut "tham". Die Griechen machten
daraus "thymon", die Römer "thymus". Die Pflanze,
die in Deutschland nicht heimisch war, wurde von Benediktinermönchen
über die Alpen gebracht und in den Klostergärten angebaut. Doch
der inzwischen verwilderte Thymian, auch "Quendel" genannt, ist
dem Gartenthymian in jeder Hinsicht überlegen.
Thymian enthält viel ätherisches Öl, etwa die Hälfte
davon ist Thymol. Das ist aber nicht ganz ungefährlich und in reiner
Form giftig. Die Öl-Kombination in der Pflanze ist zwar gut für
Menschen, doch Empfindliche klagen über brennende Haut. Sie sollten also
Kosmetika, die auf Thymian basieren, erst in kleiner Menge auf der Haut testen.
Wird sie rot und brennt, sollten Sie das Präparat abwaschen und darauf
verzichten.
Thymian findet man an trockenen, sonnigen Orten. Sie ernten das Kraut im Juni
oder Juli kurz vor der Blüte, indem Sie einfach die Blätter abstreifen.
Die Pflanze wirkt reinigend und desinfizierend. Bei unreiner Haut hilft ein
Gesichtsdampfbad, wofür zwei Eßlöffel Thymian mit kochendem
Wasser übergossen werden. Den Dampf lassen Sie auf die Haut wirken. Sie
können den Aufguß nach einer halben Stunde abseihen und ein Tuch
damit tränken. Das legen Sie dann zusätzlich aufs Gesicht.
Auch bei fettigem Haar und Schuppen kann Thymian helfen. Für eine Haarspülung
brauchen Sie einen Teelöffel Thymian, den Sie mit einer Tasse kochendem
Wasser überbrühen. Nach dem Abseihen und Abkühlen wird die
Kopfhaut kräftig mit der Flüssigkeit massiert. Die Haare sollten
nachher nicht gespült werden.
Für rissige und aufgesprungene Hände eignet sich ein Thymian-Aufguß.
Dazu übergießen Sie eine Handvoll Thymian mit einem halben Liter
kochendem Wasser. Das darf über Nacht stehen. Am nächsten Tag seihen
Sie ab und geben eine Messerspitze Alaun aus der Apotheke dazu. Das wirkt
auch gegen feuchte Hände. Lassen Sie den Aufguß nur eine Viertelstunde
ziehen und geben Sie ihn zu einem Fußbad, so können Sie damit Fußgeruch
bekämpfen.
Wenn Sie feststellen, daß Thymian Ihnen hilft, sollten Sie sich noch
intensiver mit den Möglichkeiten der Pflanze beschäftigen. So können
Sie einen Thymian-Ölauszug herstellen. Sie geben fünf Gramm Thymian
in eine dunkle Flasche, übergießen das Kraut mit 0,1 Liter Oliven-
oder Avocadoöl und stellen das gut verschlossene Glas drei Wochen an
einen warmen Platz. Dann seihen Sie ab.
Mit diesem Auszug können Sie einige kosmetische Mittel herstellen. Aber
auch in der Küche ist das Öl brauchbar. Es paßt zu allen Speisen,
die sonst mit dem Thymian-Kraut gewürzt werden, und hilft von innen bei
unreiner und fettiger Haut sowie bei Akne. Thymian als ein Gewürz tut
das auch, aber das Öl ist vielseitiger verwendbar. So können Sie
sich mit einer Kräutermischung aus Thymian, Rosmarin, Lavendel und dem
vielgeschmähten Knoblauch ein Salatöl herstellen, das nicht nur
gut schmeckt und gesund ist, sondern auch Ihrer Haut seht gut tut; hier geht
die Schönheit durch den Magen.
Für ein Thymian-Gesichtswasser geben Sie zwei Eßlöffel Thymian,
einen Eßlöffel Rosmarin und einen Eßlöffel Salbei in
eine Schüssel aus Glas oder Porzellan. Die Kräuter übergießen
Sie mit 0,2 Litern destilliertem Wasser und 0,04 Litern Alkohol. Dieses Gemisch
decken Sie gut zu und lassen es zwei Tage stehen. Dann filtern Sie die Flüssigkeit
ab (mit einem Kaffeefilter geht das ganz einfach), lösen drei Tropfen
des oben beschriebenen Thymian-Ölauszuges in 0,06 Litern medizinischem
Alkohol und geben das zu der goldbraunen Flüssigkeit. Von der geben Sie
nun einige Tropfen auf einen Wattebausch und reiben damit Ihr Gesicht ab.
Zum Einreiben einzelner unreiner Hautstellen können Sie eine Salbe herstellen.
In der Apotheke bekommen Sie unter dem Namen "pasta zinci mollis"
eine weiche Zinkpaste. Davon nehmen Sie 30 Gramm, die Sie im heißen
Wasserbad flüssig machen. Hat die Salbe eine Temperatur von 60 Grad erreicht,
nehmen Sie sie vom Feuer und rühren mit einem Schneebesen oder dem Handmixer
einen Eßlöffel Heilerde hinein, die Sie ebenfalls in der Apotheke
bekommen. Wenn sich die Heilerde in der Salbe völlig gelöst hat
und die Mischung nur noch handwarm ist, geben Sie drei Tropfen Thymian-Ölauszug
dazu und rühren, bis die Salbe kalt ist. Einzelne unreine Hautstellen,
Pickel oder Mitesser betupfen Sie mit der Salbe, die dann über Nacht
einwirken soll.