Die Schwäbische Alb

Bad Urach

Hier kümmert man sich um allerlei rheumatische Beschwerden, aber auch um Probleme mit dem Stütz- und Bewegungsapparat, mit Herz, Kreislauf und Gefäßen sowie mit der Behandlung nach Operationen.

Im 11. Jahrhundert entstand auf dem heutigen Schloßberg die Burg Hohen-Urach, im 12. Jahrhundert gab es zu Füßen der Burg bereits einen Markt. Zwischen 1442 und 1482 war Urach - neben Stuttgart - die zweite württembergische Residenz. Graf Eberhard im Bart machte die Stadt zu einem Zentrum für Kunst und Kultur. 1477 wurde hier die erste schwäbische Papiermühle gebaut, 1480 die erste Druckerei.

Im 15. Jahrhundert war Urach also berühmt. Heute wird es das wieder: durch sein Heilwasser. 1970 wurde die erste Bohrung angesetzt. Inzwischen fand man in 769 Meter Tiefe 58 Grad heißes Mineralwasser. 1974 wurde eine zweite erfolgreiche Bohrung angesetzt. Seit 1985 darf Urach sich "Bad" nennen. Es gibt ein umfangreiches Kurzentrum mit Thermal-Mineralbad, einem Kurpark und dem großen Freizeit-Wellenbad "Aquadrom".

Aber Urachs Geschichte ist noch viel interessanter. 1599 ließ Herzog Friedrich I. die Weberbleiche anlegen, um angebauten Flachs zu verarbeiten. Vor den Stadttoren entstanden 29 Weberhäuser; im Untergeschoß, halb in der Erde, lagen die "Dunken" - die Räume für die Webstühle - und darüber, im Fachwerkbau, die Wohnräume der Weber. Im Dachgeschoß hausten die Gesellen. Diese Weberhäuser, teilweise umgebaut, stehen noch; die Straße heißt auch heute "Weberbleiche".

Zentrum der Stadt ist der Marktplatz mit schmucken Fachwerkhäusern und der prächtigen Fassade des Rathauses aus dem 16. Jahrhundert. Es hat trotz mancher Veränderung seinen Charakter bewahrt. Im Sitzungssaal hängen die Gemälde der Grafen und Herzöge von Urach. In einem der Räume werden die Utensilien der Schäferzunft aufbewahrt, die seit 1724 in Urach ihren Zunfttag hält: Schäfertruhe, Fahne und Dokumente.

Hinter dem Marktbrunnen, der mit seiner hohen, reich geschmückten Säule Ende des 15. Jahrhunderts entstand, beginnt die Kirchstraße mit vielen schönen spitzgiebeligen Fachwerkhäusern.

Die Stiftskirche zum heiligen Amandus ist ein spätgotischer Bau aus dem 15. Jahrhundert. Die Seitenschiffe sind nur halb so hoch wie das Mittelschiff mit seinem hochstrebenden Netz- und Sterngewölbe, dem reich geschnitzten Betstuhl des Grafen Eberhard im Bart und dem schönen Chorgestühl. Im südlichen Fenster blieben Glasmalerien von 1475 erhalten; im Chor sehen Sie viele ritterliche Grabsteine.

An die Nordseite der Kirche grenzt der ehemalige Mönchshof, den Graf Eberhard als Chorherrenstift für die "Brüder vom gemeinsamen Leben" bauen ließ. Später zog hier das evangelisch-theologische Seminar ein; 1818 gehörte Eduard Mörike zu dessen ersten Studenten. Heute ist es eine kirchliche Tagungsstätte.

Aus der Uracher Weberzunft entwickelte sich eine Leinwand-Handelskompagnie. Die residierte in einer Häusergruppe, die ebenfalls noch steht. Das Eckhaus aus dem 15. Jahrhundert mit seinen vorkragenden Stockwerken erkennen Sie an dem "Schwedischen Mann", einer Fachwerkfigur im Giebel. Die einstige Eingangshalle mit ihrer Stuckdecke ist heute das Foyer der Ratsstube. (Der Mittelbau entstand 1680, das dritte Haus mit der besonders schönen Rokokofassade 1746.)

Nahe der Amanduskirche steht das Residenzschloß von 1443, ein hoher Fachwerkbau. Hier wurde 1445 Graf Eberhard im Bart geboren (damals freilich noch bartlos); hier feierte er 1474 prunkvoll Hochzeit mit Prinzessin Gonzaga von Mantua. Dazu wurde eigens der Goldene Saal mit den reich verzierten Türeinfassungen und einem kunstvollen Kachelofen eingerichtet. (Das Prunkbett, das heute drinsteht, kam aber erst im 17. Jahrhundert dazu.)

Heute beherbergt das Schloß zwei bemerkenswerte Museen: Das Historische (eine Zweigstelle des Landesmuseums in Stuttgart mit Waffensammlungen, der Gewehrkammer der württembergischen Herzöge und historischen Uracher Bildern) sowie das Albvereinsmuseum. Da sehen Sie Luftbilder von Wandergebieten, Modelle von Aussichtstürmen, Dias von geschützten Pflanzen sowie allerlei Literatur zur Schwäbischen Alb und der Geschichte des Albvereins.

Burg Hohenurach ist eine Ruine. Graf Ludwig I. erweiterte sie noch, bevor er ins neu erbaute Residenzschloß umzog, Herzog Ulrich von Württemberg ließ sie im 16. Jahrhundert zur Festung verstärken. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg von 3000 Soldaten erfolglos belagert. Erst nach einem Jahr gab die Besatzung auf: sie hatte nichts mehr zu essen. Doch im 18. Jahrhundert wurde die Festung abgetragen; ihre Reste lassen noch erkennen, wie gewaltig die Burg mit ihren Türmen und Ringmauern einst war. Sie sehen den Burghof, eine heute vier Stockwerke hohe Mauer des Palas mit Fensternischen, die Zisterne und den Treppenturm aus dem 16. Jahrhundert mit einer Wendeltreppe auf den Wall. Von diesem Wall haben Sie einen großartigen Blick über das Brühltal und auf den Uracher Wasserfall.

Was Urach außerdem bekannt machte, ist sein Wasserfall. Über eine Kalktuff-Nase stürzt das Wasser 37 Meter senkrecht hinab und sprüht dann nochmals 50 Meter über Tuffpolster. Dieser Tuff hat sich in Jahrtausenden aus dem ausgeschiedenen Kalk gebildet. Auch viele Pflanzen und Zweige sind ganz vom Kalk überzogen.

Vom Parkplatz am Fuß des Uracher Burgbergs (nahe der Reithalle) führt ein bequemer Weg hin, am Brühlbach entlang. In einer halben Stunde sind Sie dort.

Von diesem Parkplatz kommen Sie - westlich am Gütersteiner Hof vorbei (der mit seinen Pferden zum Gestüt Marbach gehört) - zu den Gütersteiner Wasserfällen. Die lassen sich ebenfalls sehen; sie schäumen über kleine, moosbewachsene Kalktuff-Terrassen fast 60 Meter zu Tal. Dieser Weg bringt Sie auch zum Rutschenfelsen und Sie können einen Abstecher zum Gipfel des 711 Meter hohen Runden Berges machen. (Der war einst Sitz eines alemannischen Stammesfürsten. Und der Name "Rutschenfelsen" kommt von den Holzrutschen, über die im 17. und 18. Jahrhundert im Wald geschlagene Stämme zu Tal befördert wurden.)

Vom Rutschenfelsen führt der Weg zur Hochwiese oberhalb des Uracher Wasserfalls. Dort liegt, zwischen parkartigen Bäumen, ein hübscher Rastplatz. Im Hangschutt der Wiese entspringt der Brühlbach, der den Wasserfall bildet.

Von der Hochwiese können Sie am Wasserfall absteigen und am Brühlbach entlang zurück zum Parkplatz gehen. Für diese neun Kilometer lange Strecke sollten Sie sich drei Stunden Zeit nehmen.

 

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