Die Schwäbische Alb

Stadt & Leben

Bürgerstolz - seit vielen Generationen

Die Schwäbische Alb ist eine Land-Schaft. Das hat das Entstehen und Wachsen zahlreicher Städte nicht behindert. Es sind keine Metropolen geworden, oft sind sie klein. Aber voller Geschichte und Baukunst - Zeugen eines gans selbstverständlichen Bürgerstolzes.

Eine Reihe von ihnen waren Freie Reichsstädte, die sich - außer dem Kaiser - keiner Obrigkeit fügten. Einige sind weltberühmt geworden.

Die wichtigsten haben wir hier zusammengestellt. Klicken Sie diese in unserer Karte an! Dann erfahren Sie mehr darüber.

Die Geschichte dieser Landschaft ist gekennzeichnet durch Römer, Ritter und Ruinen. Allerdings begann sie schlicht: In Höhlen. Die Funde, die man dort machte, haben dafür gesorgt, daß man über die frühe Geschichte recht genau Bescheid weiß. Der älteste Fund ist ein menschlicher Oberschenkelknochen aus dem Hohlenstein Stadel im Lonetal. Der Knochen wird der Neandertalerzeit zugeordnet, ist also 100 000 bis 120 000 Jahre alt.

In der Vogelherdhöhle im Lonetal und dem Geißenklösterle bei Blaubeuren entdeckte man Miniaturen aus Elfenbein, deren Alter auf 30 000 Jahre geschätzt wird. Viele Gegenstände aus der Altsteinzeit geben uns ein anschauliches Bild, wie die Menschen damals gelebt haben. Es waren Jäger, die den Wölfen, Bären, Wildpferden, Hirschen und Rentieren nachstellten. Sie kleideten sich in Tierfelle. Während die Männer oft für viele Tage auf Jagd gingen, blieben Frauen und Kinder im Schutz der Höhle zurück. In vielen Höhlen der Alb wurden die Knochen erlegter Tiere, aber auch Werkzeuge der Steinzeit gefunden: Messer, Äxte und Speere mit Steinspitzen.

In der Jungsteinzeit, etwa ab 4500 v. Chr., wurden aus den Jägern allmählich Bauern, die freilich immer noch eifrig jagten. Man wohnte in Hütten, nicht mehr in Höhlen, und baute neben Gerste auch Einkorn und Emmer an. Die Bevölkerung nahm zu, die Menschen rückten näher zusammen, Dorfgemeinschaften mit bis zu 200 Bewohnern entwickelten sich.

Ab 1800 v.Chr. wurden die alten Steinwerkzeuge durch bronzene ersetzt. Aus der Bronzezeit entdeckte man befestigte Anlagen auf den Höhen der Alb - so auf dem Lochenstein (bei Balingen).

Im 8. Jahrhundert v.Chr. kamen Völker aus dem Osten nach Süddeutschland. Sie brachten neue Techniken und Bräuche mit. Das Eisen bekam als neues Material Bedeutung. Gewonnen wurde es aus den Bohnerzen, die unter anderem bei Heidenheim und Tuttlingen vorkamen.

Zwischen dem 8. und 5. Jahrhundert v. Chr. wurde die Alb immer dichter von Kelten besiedelt. Die ersten Hügelgräber entstanden. Menge und Qualität der Grabbeigaben - vor allem Schmuck und Waffen - bewiesen wachsenden Wohlstand. Ab dem ersten nachchristlichen Jahrhundert drangen von Norden die Germanen und von Süden die Römer in das keltische Gebiet vor. Schon ums Jahr 85 war die ganze Schwäbische Alb von Römern besetzt. Sie bauten zur Sicherung ihrer Grenzen den Limes, diesen berühmten Schutzwall. Der verlief aber nur ein Stückchen im Bereich unserer Karte. Das größte römische Kastell stand bei Aalen. Auf seinem Gelände wurde ein Limes-Museum eingerichtet, das sehr anschaulich aus jener Zeit berichtet.

Die Römer verbanden Städte und Dörfer durch schnurgerade Straßen, von denen Teile noch heute benutzt werden. Doch dann kamen von Norden und Osten die Alemannen und verdrängten die Römer. Sie gründeten neue Dörfer. Viele Orte, die auf "ingen" enden, gehen auf diese Zeit zurück - darunter Geislingen, Bopfingen, Münsingen, Pfullingen, Riedlingen und Tuttlingen.

Im 5. Jahrhundert drangen Franken in das Gebiet vor und brachten die Christianisierung. Im 8. Jahrhundert wurden die ersten Kirchen und Klöster gebaut. Sehr frühe Kirchen gab es in Kirchheim unter Teck, in Tuttlingen und Pfullingen. Von diesen blieb aber keine erhalten. Meist wurden später an deren Stelle neue Gotteshäuser gebaut - so die Martinskirche in Pfullingen.

In dieser Zeit machten hier auch die alten Adelsgeschlechter von sich reden - vor allem die Staufer mit ihrer Stammburg Hohenstaufen. 130 Jahre lang - von der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts bis 1268 - kamen deutsche Herzöge, Könige und Kaiser aus dieser Familie.

Das 12. und 13. Jahrhundert brachte unruhige Zeiten. Mancher Herrschaftssitz wurde zu einer Burg befestigt. Oder die adligen Herren bauten sich Burgen oberhalb ihrer Wohnsitze - so wie die Herren von Achalm oberhalb von Reutlingen.

Nach dem Tod des letzten Staufers - 1268 - hatte auch die Schwäbische Alb lange Zeit keinen Oberherrn mehr. Die Ritter auf ihren Burgen wurden übermütig, plünderten durchreisende Kaufleute aus und schikanierten ihre Bauern.

Die Württemberger Grafen hatten Einfluß - aber dieses Württemberg war eine Zeitlang sogar geteilt. Denn die beiden Söhne des Grafen Eberhard IV. wollten ein eigenes Stück des Landes haben; Sohn Ulrich regierte in Stuttgart. Sohn Ludwig in Urach. Aber Ludwigs Sohn Eberhard (der dann später "Eberhard im Bart" hieß) fügte die Stücke 1482 wieder zusammen. Kaiser Maximilian machte ihn 1495 zum Herzog - und Württemberg zu einem unteilbaren Herzogtum.

Im Jahre 1514 hatten es die schlecht behandelten Bauern endgültig satt. Auf der Alb brach der erste große Bauernaufstand los: der "Arme Konrad". Er mißlang. Zehn Jahre später kam der nächste. Die Bauern zogen in wilden Horden - bewaffnet mit Sensen, Dreschflegeln und Äxten - plündernd und mordend durchs Land. Viele Burgen, die man vernachlässigt hatte, wurden erobert und zerstört. Zunächst standen zahlreiche Geistliche, aber auch Adlige auf Seiten der Bauern, die ja nur um ein besseres Leben stritten. Doch es kam wie fast stets bei solchen Aufständen: Schnell bestimmten die Brutalsten und Grausamsten das Geschehen. Und als die Bauern auch Klöster und Kirchen nicht mehr schonten, fanden sie bald keine Freunde mehr.

Der Adel im Land hatte sich schon 1488 zum "Schwäbischen Bund" zusammengeschlossen. Der stellte nun unter Führung des Georg Truchseß von Waldburg ein Heer zusammen. 1525 wurden die Bauern geschlagen. Die Rache der Sieger war fürchterlich. Allein auf der Schwäbischen Alb wurden 30 000 Aufständische hingerichtet.

Viele Ritterburgen waren zerstört. Weil Geld zum Instandsetzen fehlte, zog ein Teil des Adels in die Städte. Ihre Burgen blieben Ruinen.

Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts - vorher kamen ja noch die Wirren nach der Reformation und dann der Dreißigjährige Krieg - wurden die Verhältnisse wieder besser. Unter den württembergischen Fürsten und Kirchenfürsten setzte eine wahre Bauwut ein. Viele schöne Barockkirchen und Klöster entstanden in dieser Zeit. In den Städten wurden prachtvolle Bürgerhäuser gebaut.

Die Hohenzollern hatten die Bauernkriege ganz gut überstanden. Sie gewannen noch mehr Macht. Ein nach Norden ausgewanderter Familienteil besetzte in Berlin die höchsten Posten. Man könnte fast sagen, daß Preußens Könige - einschließlich Friedrich dem Großen - eigentlich von der Schwäbischen Alb stammen.

Napoleon mit seinem Talent, Europa durcheinanderzubringen, gründete 1805 das Königreich Württemberg. Das war nur für einen Teil der Alb zuständig. Die beiden hohenzollerischen Fürstentümer Hechingen und Sigmaringen gehörten nicht dazu. Denn die Fürstin Amalie Zephyrine von Sigmaringen war eine Freundin von Josephine, Napoleons erster Frau. Ihr Besitz wurde nicht angetastet. 1848 überließen die Hohenzollern die beiden Besitzungen ihren Verwandten im Norden. Nun war ein Teil der Alb sogar preußisch.

Heute spielt all dies glücklicherweise keine Rolle mehr. Seit 1952 sind Baden, Württemberg und Hohenzollern in einem Bundesland beisammen.


 




Fehlt die Navigation? Bitte klicken Sie hier!

Mehr über die Schwäbische Alb finden Sie bei Reise Rat...